Da war doch was...was ich noch zeigen wollte

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Montag, 27. Januar 2014

Morgennebel

Von Dezember bis Januar dauert der indische Winter. Dass es einmal kalt wird in Jagdalpur konnte ich mir während der warmen Regenzeit gar nicht vorstellen, aber so ist das ja immer.
Für meinen Nordindienurlaub (siehe Skiverleih Nr.371) hatte ich mit einer Freundin zusammen eine wollende Strickjacke gekauft, mit ihrem Versprechen, dass ich sie auch in Jagdalpur tragen könnte. Die meisten, die ich nach ihrer Lieblingszeit in Jahr fragte, sagten voller Überzeugung: die Winterzeit- und auch mich sollte diese ungewöhnliche, kurze, überraschende Jahreszeit in ihren Bann ziehen.

Eins nach dem anderen eröffneten am Straßenrand improvisierte ’Wintergeschäfte’, wo man über Handschuhe, Mützen, Kopftücher, Wollsocken, schrecklich bunte Synthetikjacken, Daunenjacken und –westen alles bekommen konnte. Auch die Geschäfte in der Hauptstraße änderten ihr Sortiment und die sonst in der untersten Schublade versteckten Schals und Jacken kamen zum Vorschein. Die Lehrer trugen über ihren Saries warme Jacken oder schöne bestickte Tücher und beschwerten sich zich mal am Tag, dass es „einfach zu kalt wäre“ ohne mal nach draußen in die Sonne zu gehen. Ich kaufte mir noch mal eine warme Decke und schloss am Abend die Fenster, die ich seit 5 Monaten noch nie zugemacht hatte- es wurde Winter.

Mal eben mit dem Motorrad vorbei und ein paar warme Jacken kaufen?

Der indische Winter ist schon etwas Sonderbares. Ähnlich wie von Wüstenwetter bekannt, fallen die Temperaturen abends schlagartig auf wenige, vielleicht 9 Grad, die Nacht ist kalt, der Morgen nebelig und ungemütlich, bis die warme Sonne das Land am Morgen um 9 Uhr wieder aufwärmt und man sein Mitgegessen in kühlenden Schatten unter Palmen im T-Shirt genießen kann. Aber gerade diesen wenigen, kalten, nebeligen Morgenstunden verzaubern die Stadt und die Menschen und ich beschloss diesem nachzugehen, bei einem frühen Morgenspaziergang, eingepackt in Socken (Primäre, meine ersten Wollsocken in Indien), Schal und Mütze.


Als um kurz vor 6 am Morgen mein Wecker klingelte hätte ich mich am liebsten, wie sonst immer, noch mal in meiner Kuscheldecke umgedreht und weiter geträumt, aber heute heiß es: Das Morgengeheimnis lüften, und dafür warm anziehen. Mit Kamera und ein wenig Gel für warmen Tee ausgestattet ging’s in die Nachbarschaft zu einen nah gelegenem See den ich wenige Tage zuvor durch Zufall entdeckt hatte. Der Morgen war kalt und nebelig und der Wachposten am Schultor, warm eingemurmelt in seinen Schal, murmelte ein überraschtes „good morning, mam“ und schloss mir das Tor auf.
Das Leben fängt hier in Indien schon sehr früh am morgen an, und selbst wenn die Schulkinder der staatlichen Schulen erst um 9 oder sogar noch später zur Schule müssen, wird morgens gelernt, heiß Wasser zum waschen gemacht, das Grundstück gefegt und die Straße bewässert (es hat seit 3 Monten schon nicht mehr geregnet und um vollkommenes zustauben zu verhindern wird regelmäßig die Straße mit Wassereimern bearbeitet). So musste ich mich zwischen die Wasserschüben aus Plastikeimern hindurchdrängeln, konnte beobachten wie früh am Morgen die Geschäfte mit neuen Waren beliefern wurden, Männer tief eingemurmelt in Schals und Mützen lebendige Händchen mit dem Motorrad zum nächstem Markt fuhren und sich an Feuern an Straßenecken, die zum Müllverbrennen dienen, die Hände gewärmt wurden.


Zwei Sikh- Jungs wärmen sich vor der Schule am Feuer
vor dem Haus auf

Über allem lag der Morgennebel, der die Straßen wie im Märchen erscheinen ließ und besonders als ich am künstlichen See mit einer Götterstatue in der Seemitte, angekommen war kam mir alles ziemlich unwirklich.

wunderbare Natur, Müll, Armut und Reichtum-
manchmal weiß ich nicht ob ich weinen oder lachen soll

Fahrradrikschas warten auf ihren Einsatz
Die Wohngegend um die Schule und auch am See ist sehr ärmlich: kleine Hütten, manche ohne fließend Wasser, Müllberge türmen sich am Uferrand und Kinder spielen später mit gefundenen Metallkisten barfuss in zerlöcherten Kleidern. Ich war da schon eine Erscheinung, und sofort kam eine alte Frau, eingehüllt in schmutzige Tücher und einen Baby auf dem Arm zu mir um mit mir zu reden. Mit einigen Kommunikationsschwierigkeiten verabschiedete ich mich schließlich und erkundete neugierig und staunend den neu angelegten Kiesweg um den See herum.
Eine Frau sortierte vor ihrem Haus Reiskörner und wendete sich ganz schnell ab als ich zu ihr hinüber sah, etwas später trafen sich am Seeufer Männer zum Zähneputzen und redeten belustigt in Hindi. Ich traf Marco und seine Freunde, deren staatliche Schule (dort wird zwar English gelehrt, aber meist nur sehe bescheiden) um 11Uhr beginnt, und die ihre Zeit mit abhängen und Kartenspielen am morgen rumschlagen. Ein Englisch sprechender Shopkeeper auf seinem morgendlichen Spaziergang gesellte sich zu mir und erzählte mir von seiner Familie und seinem Business, einige Zeit lang sah ich 4 Frauen beim Wäschewachen im See zu: kaltes, schmutziges Wasser und einen Berg voll Wäsche von mehreren Kindern, Ehemann und den Schwiegereltern- und trotzdem schienen sie diese Morgendliche Auszeit unter sich zu genießen.



Der neue (fast fertige) Weg um den See- wird am Morgen
 von den Anwohnern wunderbar angenommen und als Treffpunkt,
 für den Morgenwalk oder als öffentliche Waschstätte genutzt.

drei alte Frauen waschen ihre Saris im eiskalten Wasser

so einfach kann man wohnen- schon erschreckend!

Mit  Holz eines Baumes Namens 'Neem' werden die Zähne gereinigt,
 zu findem auf dem Wochenmarkt oder in einigen Gärten

Marco (im blauen Kapuzenshirt) und seine Freunde
- kennengelernt am Morgen

auch die Kühe brauchen ihren Morgenwalk

vier Schönheiten beim waschen und tratschen
- die Unterröcke ihrer Saries zum Kleid gemacht



Viel zu früh brach auch schon das richtige Leben wieder an, immer mehr Menschen kam, winkten mich zu sich, wollten Fotos machen und immer wieder die gleichen Fragen auf Hindi oder gebrochenen English stellen  und einige unserer Schüler führen mit dem Fahrrad vorbei am mir zur Schule. Das war auch das Zeichen für mich sich auf den Rückweg zu machen, allen versichert noch mal wieder zu kommen und dann in ihrem Haus zu essen, zum Abschied gewunken und schnell zurück zur Schule um sich in der Küche etwas auf zu wärmen, warmen Tee und leckeres Frühstück zu genießen, bevor die Schulglocke zur ersten Stunden läutet.


Impressionen aus einer ganz besonderen Zeit in einem Land mit immer wieder neuen Gesichtern. Langsam wird es aber auch am morgen wieder wärmer und auch am Abend braucht man keine Mütze mehr: Die Sommerzeit wartet- und schreibt wieder neue Geschichten.

Namaste, bis bald und liebe Grüße

Eure Rebecca

Montag, 20. Januar 2014

Eine ganz besondere Weihnachtsgeschichte

Hallo meine Lieben, Frohe Weihnachten und ein tolles, erlebnisreiches neues Jahr 2014 erst einmal! Hier bin ich wieder, mit einem ganzen Sack voller Geschichten, Gedanken, Einsichten und Aussichten die niedergeschrieben wollen! Los geht’s mit Weihnachten mal anders….als erwartet.

Wann brauche ich Deutschland, meine Familie und die gewohnten Traditionen?- Dieses Jahr nicht! - Falsch gedacht- und schon wurde am 1. Advent ein Adventskranz gebastelt. Adventskranz: zwar Weihnachten, aber trotzdem anders, mit Banane- und Kokospalmenblättern, getrockneten Schoten und natürlich 4 Kerzen, gehalten von leeren Kokosnüssen, aus dem Shop nebenan.
Mein erster schritt mich auf die Geburt Jesu vorzubereiten…und danach kam lange Zeit nichts mehr.

Gewohnter Alltag- den ich aber mit Geschenkideen kurz vor Weihnachten unterbrach: Orangenmarmelade hatte ich schon eingekocht und süß verpackt, nun kamen noch Weihnachtsplätzchen hinzu.  Weihnachtsplätzchen sind hier vollkommen unbekannt, dafür gibt es leckeren, braunen Gewürz- und Nusskuchen der- von jeden- an jeden- verschenkt wird. In der Stadt hatte ich mit einigem Suchen alle Zutaten zusammen die man für das Mürbeteigrezept „ein Teig- 10 Plätzchen“ aus der Brigitte braucht. Als Butterersatz (ich habe nämlich noch keine ungesalzene gefunden) tut es Apfelmus. Im benachbarten Hostel, das einen richtigen Oven hat, hatte ich mich angekündigt und wurde von 5 spannend wartenden Schwestern herzlich erwartet. Nach einigem Erklären, rum Überlegen, Sachen zusammen Gesuche hatte ich eigentlich gar nichts mehr zu tun: Alle Schwestern waren beschäftigt mit Mehl sieben, Teig kneten, Nüsse reiben, Datteln (als Zusatz zu den Rosinen) zerkleinern, Schokolade schmelzen, und, und, und. Als ein Blech nach dem anderen meiner 4. Ausgewählten Plätzchensorten schließlich im Oven verschwanden, stand auch noch die letzte, geduldigste Oberschwester davor und grübelte über die Backdauer.
Fazit: die Plätzchen waren OK, manchmal hat selbst eine Oberschwester nicht recht mit der Zeit, das Hostel will bald einen zweiten Anlauf nehmen, mit den Schwestern kann man echt Spaß haben, und die Beschenkten haben sich riesig gefreut und sehr schnell unsere Tagesarbeit aufgegessen ;)
Eine kurze, sehr schöne Unterbrechung gab es bei der ganzen Aktion: bei Dunkelheit klingelte es plötzlich an der Tür: die erwarteten Carolsänger. Eine Gruppe Jugendlicher aus der Gemeinde ziehen vor Weihnachten zusammen mit dem Pastor zu den verschiedenen christlichen Einrichtungen und auch Privathäusern. Einer war als Nikolaus (mit schrecklicher hellheutiger Nikolausmaske aus Plastik)verkleidet und zusammen mit den Sängern wurde im Hausflur Lieder auf English und Hindi gesungen, wild getanzt und gute Laune verbreitet. Mit ein wenig Geld und/oder Stärkung gehts dann weiter durch die Nacht.

Zwischen den Tänzern und Sängern und natürlich Santa Klaus

Und endlich fingen auch die Weihnachtsvorbereitungen in der Schule an! Eines Tages in der Freistunde, in der ich mir auf dem Flachdach der Schule ein zweites Frühstück gönnte, fand ich endliche unserer Busfahrer am Lichterketten zusammenbauen und nachschauen. Wie mir der Direktor nachher erklärte als ich nach den Kosten der gewaltigen und in allen Farben blinkende Weihnachtsbeleuchtung fragte, sei es günstiger einzelne Lämpchen und Kabel zu kaufen als fertige Lichterketten, und so wurde vier Tage lang von bestimmt 6 Männern- und manchmal auch mir, Drähte geknipst, Isolierung entfernt und Lämpchen befestigt. Am Ende wurden die vielleicht 50 Lichterketten an der gesamten Schulfassade entlang angebracht, inklusive dem Nachbargebäude, alle in verschiedenen Farben und in verschiedenen Frequenzen blinkend, und inklusive dreier vielleicht 6 Meter hohen Drahtsternen ebenfalls mit Lichterketten versehen auf dem Schuldach- und ich beschwere mich über die fehlende Weihnachtsstimmung;)

Damit auch die geplante Krippe draußen in einer Ecke des Schulhofes passend zur großen Weihnachtsfeier am 23. fertig wird, treffen sich in den Tagen vorher einige der männlichen Lehrer nachts, um beleuchtet von hellen Bauscheinwerfern die Erde umzugraben, Styropor-Ziegel zu schnitzen, eine keine Hütte aus Bambus und Stroh zu bauen und alles ordentlich mit Graß und Heu zu verschönern. Einige Abende half ich mit und wurde so offiziell ins Krippenebau- Komitee geladen, welches den späten Abend mit Tee und Kuchen und auch mal mit einen leckeren Essen  in der Küche beschließt. Passend am 23. war auch fast alles fertig und noch am Vormittag wurden Palmen und Büsche mit bunten Kugeln, Plastikanhängern, weiter Lichterketten und einer Menge glitzerndem Lametta verfeinert.




Schon am Morgen den 23. trafen sich auch unsere schuleignende Carolsänger um ihre bereits am Vortag einstudierten Weihnachtslieder über Jingle-bell bis hin zu ruhigen Hindiliedern in die Schule heraus zu singen. Noch schnell wurden Stoffbärte angeklebt und Bäuche gebastelt und schon ging es in Teams in die verschiedenen Klassen, begleitet von Gejubel und einem Stückchen vegetarischem Weihnachtskuchen für jeden.
Das war’s auch schon an Weihnachten für die Schüler,die bis zum 27. ihre Winterferien genießen konnten, vorausgesetzt natürlich es wird nicht in den wenigen christlichen Familien Heiligabend zelebriert.
Für die 9 Schüler meines Deutschkurses gab er aber noch eine kleine Besonderheit: für heute war eine kleine Weihnachtsfeier mit Essen, heißem Kakao und Fotos und Geschichten vom Weihnachten im fernen Deutschland. Passend am Morgen ist auch ein Packet von meinen Eltern angekommen, in welches natürlich ganz vorsichtig schon einmal geschaut wurde und die Spekulatius entwendet wurden ;) So gab es also heiße Schokoladen, Samosas und deutsche Spekulatius zu den Weihnachtsritualen und Geschichten aus Deutschland (die Fotos konnten leider wegen Stromausfall erst nach Weihnachten gezeigt werden) und in meine Weihnachtsferien wurde ich ganz süß mit „Frohe Weihnachten, mam“ entlassen

unsere Weihnachtswichtel


Schon den ganzen Tag wurde hinter der Schule von externen Kochen fleißig Gemüse geschnippelt und vorbereitet- für die große Lehrer mit Familien Weihnachtsfeier am Abend. In der Konferenzhalle half ich mit einen große Weihnachtstanne zu schmücken, Luftballons zu befestigen und Stühle zu rücken.
Und schon war es 6 Uhr und Lehrerinnen in neuen Saris und Lehrer, Ehemänner und Kinder, hergerichtet wie kleine Prinzessinnen und Prinzen, strömten zur Schule. Es gab Reden über die Geschichte von Weihnachten, in Glitterpapier eingepackte Geschenke wurden in Spielen an Groß und Klein verlost und Lieder gesungen. Für jeden Staffmitglied gab es eine Timer und eine Wandkalender mit dem Logo der Schule, die Busfahrer und Frauen die in der Schule auf den Fluren sitzen, Papiere rum bringen und nach Unterrichtsschluss putzen, bekamen Hemden und Saries. Als Höhepunkt wurde die Bibel vom improvisierten Altar geholt, ein Vater las daraus vor und unter dem wunderbaren Weihnachtsgesang einer Lehrerin wurde das Jesuskind vom Altar nach draußen in die Krippe gebracht. Es war echt ein richtig schöner feierlicher Moment!! Danach ging es in die Klassenräume, wo ein langes Buffet aus Reis, verschiedenen Currys, Chapatti, Dahl und Süßspeisen  auf uns wartete.
An langen Tischen wurde zusammen gegessen, geredet und gelacht. Es wurde ein richtig schöner Abend! Um 11 verabschiedeten sich dann alle, es wurde sich gedrückt, frohe Weihnachten gewünscht und über die Geschenke gefreut…und ich half noch ein bisschen aufräumen.

Geschenke über Geschenke über Geschenke..und alle wurde verlost

Weihnachtsgesänge, Lichterketten- und plötzlich war eine wunderbare
Weihnachtsstimmung da!


Schon am nächsten Tag brachte mich Vater Santhos nach Bacheli, eine andere Stadt ca. 3 Autostunden von Jagdalpur zu einer befreundeten Familie, die mich über Weihnachten zu sich eingeladen hatte. Obwohl wir uns kaum kannten (ich hatte nur einen Tag mit ihnen verbracht einige Monate vorher) habe ich mich super gefreut sie wieder zu sehen, und sie sich ebenfalls! Marie, Biju und die zwei Töchter Shnea (14) und Steffi (7) wohnen in einem ganz einfachen, engen, kleinen Haus in einer Kolonie die von dem größten Arbeitgeber der Region gestellt wird, ein Eisenabbaufirma (Berge versetzen)
Nach einer herzlichen Begrüßung, leckerem Essen und einer Menge Gesprächen geht es auch schon los zur Kirche (die zuvor sowohl von außen über und über mit bunten Lichterketten- das scheint hier echt Trend zu sein- als auch von innen mit Ballons, Girlanden und einer wunderschönen Grippe von der Gemeindejugend geschmückt wurde) um auf dem Platz nebenan eine Gemeindeweihnachtsfeier zu halten. Sowohl Steffi als auch Shnea waren bei den Tänze und Chorgesänge beteiligt und hüpften zusammen mit den anderen Tänzern in weißen Engelskleidchen aufgeregt hinter der Bühne. Marie führte durchs Programm, Ehrengäste erschienen und hielten Reden- teils auf English aber größtenteils auf Hindi, es wurde getanzt, wunderschön gesungen und auch ich ’durfte’ auf die Bühne um eine Rede zu halten. Da ca. 80% der Anwesenden aber kein English verstehen wurde diese später noch auf Hindi übersetzt und bekam sogar Lob.

Krippe auf Indisch

meine Weihnachtsengel


Nach dieser kleinen aber sehr schönen Weihnachtsfeier für die Gemeinde ging es wieder nach Hause für kurze Zeit um sich umzuziehen (zur Feier des Tages hatte ich mich noch einmal für meinen roten Sarie entschieden, den man aber unter der Strickjacke gar nicht sehen konnte) und zu essen, um dann pünktlich um 10 wieder in der Kirche zur Weihnachtsmesse zu erscheinen. Die Messe an sich war nicht besonders feierlich, aber ich verstand die Predigt in Hindi ja auch nicht. Besonders schön waren allerdings die Trommler und Sänger die die Lieder mit ihren ursprünglichen Tönen begleiteten. Leider war mir nicht so gut (falsches Essen oder so) und ich konnte die ganze Zeremonie nicht richtig genießen.
Nach der messe wurde sich auf dem Kirchvorplatz herzlich gedrückt, Küsschen links Küsschen rechts und frohe Weihnachten gewünscht. So oft gedrückt und geküsst wie vor dieser indischen Kirche nach der Weihnachtsmesse wurde ich noch nie! Trotz dem lieben Angebot doch bedingt durch meine gesundheitlichen Umstände schon nach Hause zu gehen, wollte ich aber den weitere Verlauf den Abend nicht verpassen, der mir mit wilden Tänzen die ganze Nacht beschrieben worden war- und so kam es auch, zwar anders als gedacht aber total schön!
Als alle fertig gedrückt, umarmt und geküsst waren, Weihnachtsgeschenke an gute Freunde ausgetauscht waren und die Weihnachtskuchen gegessen war, der der Pastor am Eingang verteilte trafen sich die Trommler in der Mitte des Platze und stimmten Trommellieder der Völker hier aus den Wäldern an. Chattisgarh (der Staat in dem ich zurzeit wohne) bestehe auch fast 80% Urwald mit vielen kleinen, zum Teil noch unerforschten Völkern mit eigenen Religion und manchmal sogar eigener Sprache. Um ihre Produkte wie Gemüse oder Waldprodukte zu verkaufen, kommen die Frauen am Sonntag auf die Märkte der näheren Städte. Auch zu Festivals pilgern die ’Tribal people’  nach Jagdlapur. Dabei zeigt jeder Stamm seine eigenen Tänze mit verschiedenen fantasievollen Kostümen, Tanzschritten und eben den genannten Trommler die meist in der Mitte des Kreises auf ihren hölzernen----- Trommeln den Takt angeben.
In diesem Fall waren die Trommler zwei Jugendliche aus der Stadt und sobald diese anfingen, bildeten die anderen Jugendlichen auch schon zwei Halbkreise um sie, indem sie sich an Händen oder Hüften fassten. In verschiedenen Richtungen würde dann mit mal einfachen, mal komplizierteren Schrittfolgen und zum eingehenden Takt der Trommeln getanzt. Auch die Älteren bildeten größere Außenkreise, einer fing an mit einer Schrittfolge and alle anderen stiegen mit ein. Als ich einige Zeit mit Marie und Biju im Außenkreis getanzt hatte und mich schnell an takt und Schritfolgen gewöhnte, wurde ich herzlich bei den Jugendliche empfangen und wir tanzten immer schneller und mit umfangreicheren Schrittfolgen im Kreis. Es ist ein Riesenspaß sich zu diesem ursprünglichen Trommelrhythmus in einer Gruppe, Hand in Hand zu bewegen. Die Schritte werden nach kurzer Zeit eingängig und wenn’s einem langweilig wird, fängt man einfach mit einer neuen Schrittfolge an und die anderen steigen nach kurzer Zeit ein.
Nass geschwitzt gab es in der Pfarrküche Wasser, Tee und noch mehr Weihnachtskuchen und um 3 in der Frühe ging es wieder den kurzen weg zurück zum Haus, wo ich dann doch noch eine deutsche Tradition aufleben ließ und meine mitgebrachten Weihnachtsgeschenke unter die kleine, vollgehängte Plastiktanne legte.



mein erstes Weihnachten mit traditionellen Tänzen
-man könnte sich dran gewöhnen;)

Weihnachtskuchen


Das war also meine Weihnachtsgeschichte 2013 in Indien, mit guten Freunden, der wärme einer Familie, traditionell- untraditionell, aber auf jeden Fall ein unvergessliches Erlebnis in meinem Auslandsjahr hier in Indien.

Namastem bis bald und mein Neujahrmotto für euch, was ich bei einer ebenfalls überraschend schönen Silvesterfeier als Tatoo auf den Fußknöcheln eines Freundes gefundne habe:

Keep walking, keep questioning


Montag, 16. Dezember 2013

Skiverleih Nr. 371

Hallo und einen schönen 3. Advent! Ich bin euch noch die Fortsetzung von meiner Reise schuldig, lang ist es her;) von Amritsar über Manali nach Chandigarh:

Von der Nachtfahrt zwischen Amritsar und dem weiten Norden kann ich  nur wenig berichten- ich schließlich ein-gemurmelt in meine Kuschel-decke während der Bus weiter Richtung Norden rollte. Aber als ich um 5 Uhr aufwachte (der Bus hatte angehalten und einige Frühaufsteher räkelten sich schon in ihren Sitzen) bot sich mir jedoch ein Ausblick, den ich nie erwartet hatte und auch die Temperatur war unerwartet kühl. Über Nacht hatten wir wohl eine magische Grenze überfahren, denn um mich herum glitzerte der Nebel, der das ganze Land wie im Traum erschienen ließ (OK, es war auch 5 Uhr am morgen und ich war noch halb am schlafen). Wir hatten an einer offenen Raststätte angehalten und jemand drückte mir einen heißen Becher Tee in die Hand. Die Leute um mich herum waren dick ein-gemurmelt, wollende Jacken, Handschuhe und große Tücher um die Schultern.
Ich ließ mir erst einmal meine Strickjacke aus der Rück-klappe geben und so standen wir da, dampfenden Tee, Kekse und lehnten uns gegen die heiße Wand der Theke, die gleichzeitig als Feuerstelle für die Topfe diente. Aber sobald die Sonne hinter den Bäumen ihre Sonnenstrahlen schickte wurde es angenehm warm (dieses Phänomen sollte ich jetzt im indischen Winter noch öfter erleben) und mit der Sonne auf der Frontscheibe des Buses ging es weiter. Der Nebel lichtete sich nur langsam und wir passierten kleine, verfallende Dörfer, reichlich Männer mit kunstvoll arrangierten Turbanen, weitere weiß oder farbenfroh strahlende Ferien Ressorts und unendlich weite Felder. Langsam wurde das Land hügeliger und bewachsen und wie aus dem nichts hatten wir schließlich einen wunderbare Blick über bewaldet Berge und Flüsse im Tal, als wir und über die Serpentinen vorbei an kleinen Bergdörfern immer weiter ins Gebirge arbeiteten. Zu Mittag gegessen haben wir in einem wunderschönen Hotel/Restaurant direkt über dem Abgrund, in dem auch zwei ältere britische Damen die atemberaubende Aussicht genossen.



unser Busfahrer...
hat mir auch versucht Panjabi (die Sprache der Region)beizubringen

amazing landscape im Himalaya

Erst sehr spät und in vollkommener Finsternis und Kälte (ganz plötzlich als die Sonne unterging) erreichten wir unseren Zielort Manali. Der Sage nach kommt der Nama von Manu- alaya, das Zuhause von Manu, einem berühmten Hindu Rechtssprecher, der die Menschenrechte und Moralvorstellungen von hier aus verbreitete.
Nachdem wir einige mal durch den Ort gefahren waren hielten wir am besten Hotel am Platze: Das River Country Resort besteht aus einem geschmackvoll eingerichtetem Haupthaus mit Restaurant, Lounge (zwar vergleichsweise teuer, aber ein schöner Milchkaffee musste zur Entspannung auch mal sein), Bar und den Zimmern und einem komplett hölzernem Nebengebäude mit 4 großen Appartements mit Schlafräumen, luxuriösen Badezimmern und offenen Kamin-raum. Leider ging die einen Nacht viel zu schnell um, die (neben bei gesagt) die erste Nacht/Abend war, in der ich richtig fror. Auf eine solche Kälte wie Nachts in den Bergen war ich echt nicht vorbereitet.

Aber schon war der nächste Morgen (während der Nacht im gemütlichen Bett unter einer Wolldecke war mir auch schließlich wieder warm geworden) ginge es nach dem Frühstück in Neuner-Teams, einem Jeep und einem einheimischen Fahrer weiter in die Berge: das Land wurde sehr kahl, die Aussicht auf die schneebedeckten Berge immer besser, Zelte am Straßenrand (die aber nur in der Saison bewohnt sind, erklärte und Fahrer), Warnschilder vor Hirschen, eine Eselherde kreuzte die Straße und endliche kleine Verleihe für Schneeanzüge und Skier am Straßenrand (ist halt doch ein ziemlich beliebter Urlaubsort). An einem hielt auch unser Jeep an und wir deckten uns mit Handschuhen, wetterfesten Schuhen (wenn nötig), warmen Skianzügen und heißem Tee für die Lehrer ein. Das letzte Stück ruckelten wir nur noch eine Steinstraße hinauf, durchgeschüttelt, fasziniert von dem immer wieder atemberaubenden Panorama, Sonnenstrahlen auf weißen Berggipfeln soweit das Auge reicht, und voller Vorfreude auf den Schnee.
Am Rotari Pass angekommen war ich erst einmal ein bisschen enttäuscht: immer noch kein Schnee, endliche indische Touristen mit Jeeps und Führern und eben so viele Straßenverkäufer: heißen Tee, Früchte, gebratenen Mais, Maggi- Nudel…und jeder war plötzlich super hungrig und fror unglaublich. Nach einigen hin und her, Gewarte, „Madam, nice hot Chai?“ von allen Seiten, den ersten vermeintlichen Frostbeulen, schwangen wir und alle(mehr oder weniger schwungvoll) auf die Ponys, die uns in einer langen Kette zum Schnee bringen sollten (irgendwie hatten die selbstständigen- meist sehr jungen Pferdebesitzer die Väter überzeugt)
Der Ritt von vielleicht 15 Minuten über –wort wörtlich – Stock und Stein, durch Schlamm und kleine Wasserbäche aus dem Gebirge wurde dann doch recht lustig: Ich konnte wieder das herrliche Panorama genießen, kalte Luft um meine Ohren, das Schaukeln und die Wärme des Ponys unter mir, ängstliche Schreie der Lehrer auf ihren Ponys hinter mir und ein (doch sehr stockendes) Gespräch mit dem 16 jährigen Pferdeführer.
Am Zielberg angekommen konnte ich mich von dem ‚Schnee’ überzeugen: vielleicht 10 cm fest getretenen Eis, glatt, eigentlich super gefährlich zum klettern und zu pulverig für Schneebälle…ABER für die meisten Schüler war es der 1. und wahrscheinlich auch letzte Schnee in ihrem Leben. Also wurde mit Eis-klumpen alias Schneebällen geworfen, auf dem Hosenboden kleinere Abhänge runtergerutscht und Fotos gemacht. Den Lehrern war schon bald zu kalt und sie stürzten sich auf die Teeverkäufer, die schon wieder wie aus dem nichts auftauchten…und mit ihnen auch die Safranverkäufer. Auf Dauer wurde es echt nervig und ich fing an, das Safran, welches die Lehrerinnen schon Massenweise für all ihren Verwandten gekauft hatten und mir zum aufbewahren gegeben hatten, an die Verkäufer weiter zu verhökern: sie verstanden aber den Spaß nicht und mein Geschäft lief nicht besonders gut…
Schließlich und nach noch mehr Verwirrung (waren halt doch einen Menge Schüler) es auf den Ponys wieder zurück zu den Jeeps. Die meisten Schüler warteten schon da, saßen um Lagerfeuer und äsen Fertig-nudeln. Eine Sache die ich gar nicht mitbekommen hatte: Einigen Schülern war von der dünnen Luft schlecht geworden und sie hatten Atemprobleme, deshalb ging es relativ schnell, mit den leid enden und frierenden Schülern wieder den Berg runter.

Bergtempel

und über die Schotterstraße gings weiter in die Berge


unser 16 Jähriger Ponyführer Manui







Zurück im Hotel, nach einem wunderbaren Mittagessen ging es schon weiter auf Shopping-tour ins (leider) moderne Manali. Es gibt wohl noch eine alte, traditionelle Stadt mit Märkten und einheimischen Handwerk, aber ich war inmitten von kauf-tüchtigen Schülern und Lehrern und konnte keinen überzeugen mit mir Kultur zu besichtigen. Des norden Indien ist berühmt für deine Webkunst und an unendlichen kleinen Ständen, die einen eng verschachtelten Basar bildeten, konnte man mehr oder minderwertige Schals, wunderschön gewebte Tücher, traditionelle Kleidung, Winterjacken, billige Schuhe, bunte Lederimitats-taschen, Holzarbeiten und auch eine Menge Plastik erwerben. Hier geschaut, dort die hervorragende Qualität erklären lassen (zu meinem Glück konnten die Verkäufer meist English und ich könnte mich ein wenig mit ihnen unterhalten), ein wenig verhandelt und beraten.
Schnell war die Zeit rum, die Schüler (und auch Lehrerinnen) weniger schnell eingesammelt und zurück ging es zum Hotel wo ein hervorragender warmes indisch- kontinentales Abendessen und die geplante Kinder-disco auf uns wartete.



auf dem Markt in Manali

warme Wintersachen und kunstvolle Gewebe



Bei Nacht, Nebel und Kälte (dieses mal war ich aber vorbereitet J) ging es mit dem Bus weiter nach Chandigarh, der letzten Station unserer Reise und Hauptstadt der zwei Staaten  Punjab und Haryana.

Diese best geplante Stadt Indiens wurde geschaffen von dem französischem Architekten Le Corbusier. Sie ist ein Beispiel von dem Traum und der Inspiration junger Inder, ein Symbol der Freiheit Indiens, losgelöst von den Traditionen der Vergangenheit. Unterteilt in endliche eigenständige, nach Nutzen sortierten Stadtsektoren gehört der Rock Garden zu dem Viertel ’gardens und open places’. Ein sehr schöner, großer und verschlungener Garten mit unterschiedlichster Steinkunst: mal hohe Wände aus strukturiertem Stein, keine abstrakte Steinskulpturen, Brücken und Tunnel, einen Wasserfall und eine Menge Grün, alles aus den Resten der Stadtplanung sowie industriellem bis städtischen Abfall (unter anderem kann man eine Wand komplett aus alten Steckdosen finden), erschaffen von Nek Chand.
Steine wurden bewundert und sogar ein Kamel-ritt war möglich und weil noch ein wenig Zeit war, machten wir einen keinen Abstecher zum Rosen Garten, eigentlich der größte in ganz Asien, aber leider nicht die richtige Saison und so genossen wir nur die Wasserspiele in der (jetzt wieder angenehm warmen) Dämmerung.

der Schein trübt: so diszipliniert in der Reihe
 wie hier ging es nicht immer zu

Zuckersrohrsaft: ziemlich süß aber lecker



Den Steingarten, einen schönen See mit Tretbooten und einer Menge indischer Touristen und auch dien Rose Garden hinter uns gelassen ging es mit dem Bus durch die Nacht zurück zum Bahnhof in Amritsar, um unsere zweitägige Rückfahrt anzutreten.


Das war der letzte Teil meiner ersten Reise- schon lange her und auch schon wieder von meiner 2. Reise in den Süden überholt, aber davon ein anderes mal!
Eine schöne Zeit bin Weihnachten und bis bald,
eure Rebecca




Sonntag, 1. Dezember 2013

1. Dezember

Hallo ihr Lieben, Namaste aus dem sonnigen Indien heute am 1. Dezember.
Fast hätte ich diese Traditionszeit die in den Nächsten 4 Wochen folgen wird, vollkommen verpennt: 0 Weihnachts- oder Adventsstimmung, keine Weihnachtslieder, kein Schmuck, kein typisches Winteressen- dafür Sonne, T-Shirt Wetter, Marktleben, Schulcompetitions, Tanzstunden und eine Menge mehr. 

Trotzdem, oder gerade deswegen hatte ich heute morgen beim Aufwachen so ein Gefühl: Meine erste Weihnachtszeit weit weg vom Zuhause, Losgelöst von Bekannten, Zwischen Menschen die mich so kennen lernen und in Erinnerung behalten wie ich mich mich Verhalte, die erste Weihnachtszeit die ich mir selber erfinden muss, aus einer Mischung aus indisch und deutsch (denn ganz ohne deutsch kann selbst ich die' Dauer-fernweh-habende nicht). Also hier mal in kürze mein erster Dezember:

Als ich aufwachte schien die Sonne schon hell durch die Fliegengitter der offenen Fenster. Es war halb 10 am Sonntagmorgen, draußen gefühlte 30 Grad, Stimmengewirr der Schüler, die für den bevorstehenden Schultag fleißig sogar am Sonntag übern, Vögel, Huben...eigendlich alles wie an einem späten Morgen hier in Jagdalpur. Immer noch müde drehte ich mich nochmal um, überlegte was ich heute machen sollten, was ich Frühstücken werde, wie ich meinen ersten Advent hier in Indien verbringen will und genoss den Augenblick- diese Augenblicke wenn ich mir meines ungeheurem Glückes bewusst werde hier sein zu dürfen und selber für meine Zukunft verantwortlich zu sein. Aber irgendwann war die Zeit zum Aufstehen dann doch gekommen (irgendwas muss ich ja auch mit dieser Chance anfangen) und nach den Anziehen (heute mal deutsch, farbenfroh und eines meiner Lieblingssachen) ginge es erst einmal zu einem nah gelegene Obststand an der Hauptstraße um frischen gepressten saft zu kaufen. Obwohl nur 10 Gehminuten traf ich einige Schüler und Chikan (oder so ähnlich), einen jungen Shopkeeper aus der Nachbarschaft, der sich mit mir in gebrochenen English zu unterhalten versuchte. 
Mit dem Saft in der Hand schlenderte ich wieder zurück durch die, inzwischen sehr vertraute Nachbarschaft. Namastes und Hallos verteilend hielt ich noch an einem der vielen kleinen Tante-Emma- Läden um Weißbrot für das heute mal deutsche frühstück zu kaufen, und weil ich mir nicht sicher war, ob noch Eier dawaren, nahm ich auch gleich noch zwei Eier für das Rühreie mit. Und gerade als ich mich wieder aufmachen wollte, traf ich auf Sita, unsere Köchin, die auch in der Nachbarschaft unterwegs war und mir einen herzlichen guten Morgen wünschte. Zusammen gingen wir zurück zur Schule und beim Rührei-machen schaute sie mir interessiert und belustigt über die Schultern (Es war übrigens wirklich kein Ei mehr da). 
Und schon war mein 1. Dezember deutsch- indisches Frühstück fertig: Frischer Saft aus einer orangenähnlichen Frucht, Rührei mit Zwiebeln, gebratene Tomaten, Weißbrot, selbstgemachte Marmelade (weil Jam hier so ungeheuer Süß ist habe ich mich letzte Woche ans Mamelademachen getraut- noch verbesserungswürdig aber Ok) und (weils ganz ohne indisch nicht geht und ich es auch gar nicht will) eine gekochte und zermanschte indische Frucht- schmeckt ähnlich wie Kartoffel, nur anders ;) 
Nach dem Frühstück war erst einmal Zimmer putzen angesagt, nicht ohne vorher einigen Minuten den Viertklässlern beim Tanztraining zuzusehen- einfach süß! Danach hieß es Musik an, Zimmer aufräumen, abstauben und wischen: was muss- das muss.
Um 2 war ich mit einer guten Freundin und ihrer Cousinen zum Picknick verabredet, also schnibbelte ich, mit lieber Unterstützung unserer zweiten Köchen, Äpfel, Granatapfel, Kokosnuss und, und, und für einen Obstsalat und kochte Tee. 
Aller eingepackt, noch mal bei den Tänzern vorbeigeschaut (diesmal die 11. mit einem ganz besonderem Bambus-tanz bei dem die Tänzerinnen über bewegte Bambusstangen am Boden springen) und ab zu Bujji. Nach einem schnellen aber sehr leckerem Mittagessen und Gequatsche mit der gesamten Familie wurden wir beide und ihre beiden Cousinen Pushpa und Sharda von irgendeinem Verwandten (die gehen in indischen Häusern ein und aus) zu einem Park etwas außerhalb der Stadt gefahren. 
Viele indische Familien saßen auf den Grünflächen, Kinder rannten umher, spielten Federball oder kletterten über die Spielgeräte die überall verteilt standen. Ein kleiner, künstlicher Wasserfall (leider nicht an) bot aber trotzdem Kulisse für endliche Familienfotos, frisch verheiratete Paare saßen in geschützten Ecken um sich besser kenne zu lernen (arrangierte Ehen sind hier gang und gebe). Wir genossen die schatten-spendenen hohen Nadelbäume, Blumen, Plauderten, lachten, aßen und beobachteten die dicken Frauen in Saries, die es sich nicht nehmen ließen eine Runde Fangen mit den Kindern zu spielen. 
Um kurz nach 5 schlenderten wir langsam wieder Richtung Stadt, besuchten noch kurz einen Verwandten, der in einer Wohnkolonie an der Stadtgrenze wohnt und als wir wieder in stadtnähe kamen, konnten wir und auch eine Ritschka zurück nach hause nehmen. 
Alle waren ziemlich müden und ich wollte noch ein bischen an den Computer und so verabschiedeten wir uns ziemlich schnell und herzlich. Zurück in der Schule traf ich eine Lehrerin, die für ein Tanztheater einen ziemlich schöne Tonaufnahme erstellt und heute Abend die aufnahmen im improvisierten Tonstudio macht. Sie übersetze mir die Hinditexte und erklärte mir das Konzept: Frauenbild in Indien-  über Gewallt und Ungleichheit. Seht interessant, wichtig und ich ich konnte ein wenig bei ihrer Arbeit zusehen. 
danach gings zum Abendessen: Reis, Dahl und Gemüse (wie immer- lecker ;)) und eine Runde mit meine Eltern skypen, Mails checken, mit Freunden schreiben und mich über Neuigkeiten in der Welt informieren. Und jetzt wird geschlafen, morgen ist ein langer Schultag mit Unterrichten, Tanztraining, Deutschstunden, Lehrerversammlung und was sonst noch alles passiert an einem Tag in Indien ;)



Mein erster Advent, gewöhnlich- ungewöhnlich und ob ich die Weihnachtszeit lieber kalt oder warm genieße werde ich die nächsten 4 Wochen herausfinden. Über die Weihnachtsferien bin ich übrigens bei einer befreundeten Familie in einem kleinen Dorf ca. 5 Autostunden von Jagdalpur eingeladen und ich freue mich schon sehr auf die Zeit in einer Familie!

Liebe Grüße aus Indien, eine schöne Adventszeit euch allen- sei es wie immer oder mal anders- und doch immer einzigartig!
eure Rebecca

Dienstag, 12. November 2013

Von Goldenen Tempeln und mächtig Nationalgefühl

Nach 2 Tagen auf den Schienen kamen wir am Morgen des 18.10 (huch, auch fast schon wieder einen Monat her) in Amritsar an. Auch das ’spirituelle Zentrum Punjabs’ genannt stand natürlich nach dem Frühstück ein Besuch des Goldenen Tempels, der heiligste Ort der Glaubensbrüder Sikh auf dem Programm. Allein die Buseinfahrt vom Bahnhof zu unserem Hotel war aber schon spannend: Amritsar gehört zu den größeren Städten und auf den Straßen tummelten sich die verschiedensten Menschen, Werbeschilder warben für Cola und Co, unzählige Motorritschken boten den Touristen ihre Dienste an und an jeder Ecke konnte man zwischen Hotels und Restaurants der verschiedenen Preisstufen wählen. Und siehe da, die Schule hat’s sich nicht nehmen lassen und ich bekam, zusammen mit zwei Lehrerinnen und einem kleineren Jungen ein Zweierzimmer in einem ziemlich schicken, keinen Hotel und…Primäre!!...es gab eine warme Dusche, die ich, nach zwei Tagen im Zug, erst einmal voll ausgenutzt habe.

Rikschafahrer auf den Straßen Amritsars

und noch etwas auf den Straßen Amritsars, nur für dich Papa :)

Nach einem schnellen Frühstück im etwas größerem Hotel der Schüler auf der anderen Straßenseite (dort hin zu gelangen war jedoch jedes mal ein Heib und die Lehrerinnen waren es auch nicht gewöhnt mit Schülern zu reisen, was ich leider immer wieder Feststellen musste)ging es auch schon- erst mit dem Bus und dann in Zweierreihen (oder so ähnlich) ins Stadtzentrum zum Goldenen Tempel. Wie man es sich bei einem solch berühmten Ort vorstellen kann waren auch hier die Vorkäufer nicht weit und warfen uns völlig überteuerte, hässliche und qualitativ echt bescheidene Andenkenstücher (zum verdecken der Haare sowohl bei Frau, als auch bei Mann), Portkarten und allen möglichen Kram hinterher. Meine Rolle als Touristin war glücklicherweise, dank meiner Aufsichtspflicht, diesmal eher zweitrangig und die Verkäufer stürzten sich auf die Schüler, die diese herzlich empfingen und fleißig kauften.
Nach ca. 15 Minuten erreichten wir, jetzt schön erschöpft, müde und durstig- die Indische Sonne schien sich besonders anzustrengen- den Eingang des Goldenen Tempels, stopften alle unsere Schuhe in Säcke und marschierten barfuß über Teppiche zum eigentlichen Gebäudekomplex.

Das Heiligtum  wurde im 14 Jahrhundert vom fünften Sikha Guru Arjan Dev erbaut und besteht aus dem berühmten Tempel inmitten eines flachen, quadratischen, künstlichen Sees (bekannt von endlichen Bilder) strahlt -wie der Name schon verrät- von außen in purem Gold und weitern Gebäuden aus weißem Stein und kunstvollen Ornamenten rund um den See. Viele Touristen mit Fotoapparaten und heilige oder wenigstens gläubige Männer mit weißen oder farbigen Tour-bahnen (im allgemeinen hier im Norden vermehrt zu finden) wuselten auf den sehr sauberen, aus hellem Stein bestehenden Flächen rund um das Wasser. Alte Frauen und Geistliche saßen auf dem Boden unter den wunderschönen Rundgängen der Steingebäude und einige badeten sogar im heiligen Wasser. Die Architektur enthält sowohl Elemente der hinduistischen, als auch der islamischen Kultur und der Tempel gilt als einer der geschmackvollsten und schönsten seiner Art. Leider hätte es zu lange gedauert den eigentlichen Tempel  zu besuchen, vor dem man schon vom weiten eine langen Menschenschlange erkennen konnte und der das Original der heiligen Sikhbuches Guru Granth Sahib’ birgt. Stattdessen sind wir entlang des äußersten Gebäudekomplexes geschlendert und habe eine Essensausgabe entdeckt, wo man, in Schälchen aus Blättern servierten, frisch gekochten Reisbrei kaufen konnte. Mit zwei Lehrerinnen habe ich mich natürlich sofort aufgemacht, für wenige Rupees dieses Mahl zu kaufen, welches man dann zur Hälfte sofort wieder den Geistlichen spendet, die es an die Armen verteilen (-doofe Aktion, wir haben die Gruppe verloren und hatten nicht wirklich eine Ahnung was das ganze soll und wo wir genau damit hinmüssen). Als nach einigem hin und her endlich diese gute Tat vollbracht war- auf essen hatte ich dann aber auch nicht mehr wirklich Lust und erklärt hat uns das ganze auch keiner- und wir die Gruppe wieder gefunden hatten, ging es nach einem letzten Gruppenfoto auch schon wieder ins Großstadtgedränge.




einzigartige Architektur der Palastanlage rund um den goldenen Tempel


Direkt nebenan besuchten wir im Anschluss Jallianwala Bagh. Dieser sehr schone, saubere Garten spielt eine entscheidende Bedeutung in Indias Unabhängigkeitsbewegung.
Überall im Park verteilt kann man Statuen von wichtigen Freiheitskämpfern finden und das Jallianwala Bagh Memorial in der Mitte, in der Form der ewigen Flamme der Freiheit ist ein wichtiger Pilgerort für jeden Inder- und in der tat, viele Inder von Unterschiedlichen Regionen posten vor dem riesigen Steindenkmal, lagen unter großen Bäumen auf den Grünflächen oder schlenderten entlang der bunten Blumenbeete. Ziemlich am Eingang befindet sich der berühmte Brunnen (bekannt aus Gandhi-filmen), in den sich am 13 April 1919 friedvolle Freiheitskämpfer aus Angst vor den Briten zu retten versuchten und erschossen worden.

Denkmahl für die vielen Toten
 während der Unabhängigkeitsbewegung

Wer kennt diesen Mann ??

Wie keiner? Daber hat der doch sogar in Münster studiert, was n Zufall ;)

Alte Häuser rund um den Park:
 einzigartig, gemütlich und immer ein wenig heruntergekommen

Nach einer Stärkung zurück im Hotel ging es auch schon weiter: Zur nur 28 Km entfernten Grenze zu Afghanistan und dem allabendlichen Zeremonie ’Beating the Retreat’. Zur berühmten Touristenattraktion geworden- erkennbar an einem riesigen Markt mit Kleidern, Popcornverkäufern, fischen Säften, gegrilltem Mais und Filmen der Zeremonie, werden bei Sonnenuntergang erst auf der pakistanischen Seite und dann auf der indischen Seite in einem ungeheurem Spektakel die Landesfahnen abgenommen.
Nach einem langen Fußmarsch und Gewahrte vor der enormen Menschenmenge am großen Tor auf der Indischen Seite, durften wir schließlich als Schulklasse die indische Tribüne betreten, vorbei an speziellen Foreigner-Sitzen, der Fan-maile und VIP-Plätzen. Viele Mensche mehr oder weniger geschmückt in den indischen Nationalfarben, Soldaten dieses Grenzüberganges und eine Art Einheizer der um alles einen reisen Wirbel veranstaltete, geräuschvoll hin und her marschierte und ohrenbetäubend Schrei. Menschenmassen jubelten und schauten neugierig zu, wie erst die Fahne auf der afghanischen Steinbogen (auf der anderen Seite war der gleiche Kult nochmals zu finden, halt mit afghanischen Touristen) mit lauten Befehlen, streng gekleideten Soldaten und mit straffen Schritt abgenommen und ins Grenzhaus getragen wurde und dann das ganze auf unsere Seite wiederholt wurde. Alle waren aus dem Häuschen, ich beobachtete, staunte und verstand nicht wirklich.
Danach gab es noch einige Fotos mit den Grenzsoldaten und durch Sicherheitskontrollen ging es zurück zum Bus.

"I love my India" - kleiner Junge zwischen der begeisterten Menge

Soldat der Border Security Force (BSF) beim Programm

Festlich wird die Nationalfahne abgenommen- und das jeden Abend


Die Nacht im gemütlichen Hotelbett war kurz, denn um 3 Uhr am nächsten morgen ging es mit dem Bus (und diesmal leider nur einer mir Sitzen) weiter in die nördlichen Teile Indiens. 

Namaste und bis bald mit weiteren Reiseberichten
eure Rebecca